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Alt 02.03.2021, 14:08   #9
Kamera2016
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Standard AW: Biete Einzelcoaching - kostenlos

Was motiviert, auf dieses Angebot einzugehen?

Ein Unbekannter bietet sich an, die eigene fotografische Entwicklung zu bewerten, ohne vorab erkennbar zu machen, welche wirkliche Kompentenz zu dieser Urteilsfähigkeit besteht. Eine

Gradwanderung also, vor einem Fremden "die Hosen runter zu lassen" und darauf zu hoffen, daß die Parameter der eigenen Vorstellung und Hoffnung entsprechen.

Ja, ich habe es getan. Unerwartet schnell meldete sich bimbelbam und ich war im Zugzwang. Das habe ich sogar als eine sehr wichtige Variable bei dieser Besprechung erlebt. Sich selber

nach tausenden von Bildern zu überlegen, mit welchem Themen und besonders den daraus selektierten Bildern man sich der Kritik stellt.


Meine gezielte Fragestellung war, ob die Bilder einen gemeinsamen fotografischen Blick zeigen; einen individuellen/persönlichen Ursprung der Situationserfassung aus dem sich eventuell

ein Stil ableiten läßt; oder zumindest eine Vorliebe, die möglicherweise sogar forciert werden kann, um zu einem solchen zu werden.


bimbelbam konnte in drei Genres fotografische Blicke erkennen, die zum Schwerpunkt unserer Diskussion wurden. Ich betone den Begriff "Diskussion", da es kein einseitiger Vortrag eines

Profis gegenüber einem Amateur war, sondern ich genauso Fragen (die absolut offen beantwortet wurden) und Meinungen ausdrücken konnte. Für mich war es also ein Dialog und

gleichzeitiger Einblick in eine Szene, die so völlig anders ist, als das, was ich selber möchte. Grundsätzlich teilt sich die Fotografie in Auftrags- und persönliche/künstlerische Fotografie. Der

wiedererkennbare Stil beinhaltet eine fotografische Vorgehensweise, die auf verschiedene Situationen mit gleicher (zumindest sehr ähnlicher) bildlicher Umsetzung antwortet. Diese

Festlegung wird zum Markenzeichen und Grund für eine Buchung und ist meistens völlig entkoppelt von der eigenen Bewertung. Als Auftragsarbeit bedient sie die Erwartungshaltung des

Geldgebers. Mit viel Aufwand wird an diesem eigenen Stil gefeilt, um die Aufmerksamkeit und das Wohlgefallen der Budgetverteiler zu erlangen; in der Hoffnung bezahlte Aufträge zu

erhalten und in dieser Szene Fuß zu fassen.


Will ich das? Nein! Ich möchte die Freiheit zur Entscheidung, wie mein Bild umgesetzt wird, ohne potentielle Einflußnahme Dritter und Abhängigkeit von einem Trend. Ich bin bereit den

resultierenden Konflikt zu tragen und keine Wiedererkennung über alle meine Bilder/Themen hinweg zu erlangen. Ich bin bereit weiter zu lernen, um den fotografischen Ausdruck zu

forcieren. Ich habe die Geduld über einen längeren Zeitraum hinweg Bilder zu sammeln, die dann zumindest innerhalb einer Serie stilistisch zusammenpassen. Mir ist klar, daß die

Farbfotografie dies erheblich erschwert. Mir ist klar, daß meine Photoshop Kenntnisse weiter vertieft werden müssen (als Profi hat bimbelbam nachlässige Ausarbeitungen natürlich sofort

erkannt). Mir ist klar, daß ikonische Bilder ohne eine hochgradig kompetente Bildbearbeitung nicht auskommen (und viele Fotografen dies outsourcen, da der erforderliche

Lern-/Zeitaufwand hierfür immens ist). Ja, das erschwert die eigene Positionierung und benötigt eine intensive Auseinandersetzung mit den Wirkvariablen (inkl. Druck). Ja, es braucht

Geduld, manchmal Demut. Und Gespräche mit wirklich kompetenten Menschen, welche Bereitschaft zur Wissensteilung haben.

bimbelbam, auch auf diesem Weg vielen Dank für Deine Zeit, glaubwürdige/nachvollziehbare Kritik und Inspirationskraft. Wir beide wissen, daß die Art und Weise der Kommunikation

typabhängig ist und darüber sich entscheidet, ob ein tieferer Zugang möglich ist. Bei mir bist Du auf offene Türen gestoßen und konntest weitere Impulse geben; Deine Vorgehensweise zur

Wissensvermittlung gefällt mir sehr gut und deshalb mein Résumé: klare Empfehlung!
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